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Die Münze: Ein Gespräch mit Yasmin Zader

Jul 13, 2024 at 03:41 am

Der namenlose Erzähler von Yasmin Zaders erstaunlichem Debüt „The Coin“ ist wild, launenhaft, abweisend und unwissentlich lustig.

Die Münze: Ein Gespräch mit Yasmin Zader

Yasmin Zader’s debut novel, The Coin, follows an unnamed narrator as she grapples with her identity, relationships, and experiences in New York City and Paris. The novel explores themes of belonging, self-discovery, and the complexities of navigating different cultures. In an interview with Jezebel, Zader discusses the development of her protagonist, the role of Palestine in the story, and the secrets she keeps as a writer.

Yasmin Zaders Debütroman „The Coin“ folgt einer namentlich nicht genannten Erzählerin, die sich mit ihrer Identität, ihren Beziehungen und Erfahrungen in New York City und Paris auseinandersetzt. Der Roman untersucht Themen wie Zugehörigkeit, Selbstfindung und die Komplexität der Navigation durch verschiedene Kulturen. In einem Interview mit Jezebel spricht Zader über die Entwicklung ihrer Protagonistin, die Rolle Palästinas in der Geschichte und die Geheimnisse, die sie als Schriftstellerin hütet.

Jezebel: Tell me about developing this very compelling main character. She’s haughty and manipulative, but also tender with her students. How did you layer this complex person?

Jezebel: Erzählen Sie mir von der Entwicklung dieser sehr fesselnden Hauptfigur. Sie ist hochmütig und manipulativ, aber auch zärtlich gegenüber ihren Schülern. Wie haben Sie diese komplexe Person geschichtet?

Yasmin Zader: I started by writing without inhibitions. The first layer was probably the chaotic layer—where things don’t really make sense, the strange connections between things that are based on very loose logic, the impulsive side of her, the improper side of her. As the story developed, I started to understand that Palestine is also a part of it, which wasn’t clear to me in the first few weeks or months of writing it. I started to round out the character in other places, maybe bring a little bit more compassion. But the first and most important layer for me was a character who was a little bit irrational.

Yasmin Zader: Ich habe zunächst ohne Hemmungen geschrieben. Die erste Schicht war wahrscheinlich die chaotische Schicht – wo die Dinge keinen wirklichen Sinn ergeben, die seltsamen Verbindungen zwischen Dingen, die auf einer sehr lockeren Logik basieren, die impulsive Seite von ihr, die unangemessene Seite von ihr. Als sich die Geschichte entwickelte, begann ich zu verstehen, dass auch Palästina ein Teil davon ist, was mir in den ersten Wochen oder Monaten, als ich sie schrieb, nicht klar war. Ich habe begonnen, den Charakter an anderen Stellen abzurunden, vielleicht etwas mehr Mitgefühl einzubringen. Aber die erste und wichtigste Ebene für mich war ein Charakter, der ein bisschen irrational war.

I had tried writing two novels before, and it was too structured and boring. This novel I wrote just to see what I had inside. The way I wrote you could classify as binge writing: I wrote for 10 hours straight once a week. It took only a couple of months to finish the first draft. But then the first draft was so all-over-the-place that it took me six years to edit something that somebody would want to publish.

Ich hatte bereits versucht, zwei Romane zu schreiben, aber es war zu strukturiert und langweilig. Ich habe diesen Roman nur geschrieben, um zu sehen, was in mir steckt. Die Art und Weise, wie ich geschrieben habe, könnte man als Binge-Writing bezeichnen: Ich habe einmal pro Woche 10 Stunden am Stück geschrieben. Es dauerte nur ein paar Monate, bis der erste Entwurf fertig war. Aber dann war der erste Entwurf so durcheinander, dass ich sechs Jahre brauchte, um etwas zu bearbeiten, das jemand veröffentlichen wollte.

There’s an incredible pivot between the character’s “CVS retreats”—an extreme exhibition of control—to this complete deregulation at the end. How did that shift unspool?

Es gibt einen unglaublichen Dreh- und Angelpunkt zwischen den „CVS-Rückzügen“ der Figur – einer extremen Zurschaustellung der Kontrolle – und dieser völligen Deregulierung am Ende. Wie kam es zu dieser Verschiebung?

I think the trigger for the letting go at the end was when she goes upstate, and she has this experience with nature. The climax of the book, the ending of the book, is really about refining the connection with nature, or looking for a connection with the animal self, something that is very forgotten in our era, especially when you live in a big city. When I was writing it, I had been living in New York for around two years. I was walking on the street one day in Greenwich Village and I stumbled; to keep myself from falling, I held onto a tree. I realized that I hadn’t touched a tree in months, if not in years. It was a very disturbing moment.

Ich denke, der Auslöser für das Loslassen am Ende war, als sie ins Landesinnere ging und diese Erfahrung mit der Natur machte. Beim Höhepunkt des Buches, dem Ende des Buches, geht es wirklich darum, die Verbindung zur Natur zu verfeinern oder nach einer Verbindung zum tierischen Selbst zu suchen, etwas, das in unserer Zeit sehr vergessen wird, insbesondere wenn man in einer Großstadt lebt. Als ich es schrieb, lebte ich seit etwa zwei Jahren in New York. Eines Tages ging ich in Greenwich Village auf der Straße spazieren und stolperte. Um nicht zu fallen, hielt ich mich an einem Baum fest. Mir wurde klar, dass ich seit Monaten, wenn nicht sogar Jahren, keinen Baum mehr berührt hatte. Es war ein sehr beunruhigender Moment.

I love the narrator’s criticisms of America. One of my favorite lines is, “I was scared of American culture. When I say that, I don’t mean the right to bear arms, I mean wedding dresses and obesity.”

Ich liebe die Kritik des Erzählers an Amerika. Einer meiner Lieblingszeilen ist: „Ich hatte Angst vor der amerikanischen Kultur. Wenn ich das sage, meine ich nicht das Recht, Waffen zu tragen, sondern Hochzeitskleider und Fettleibigkeit.“

I knew you were going to pick that!

Ich wusste, dass du dich dafür entscheiden würdest!

Then there’s the plot of selling Hermès bags to Americans because they are too vulgar to access them directly—the narrator can “sell them at a premium to the trashy and unworthy.” There’s a lot of side eyeing.

Dann ist da noch die Handlung, Hermès-Taschen an Amerikaner zu verkaufen, weil diese zu vulgär sind, um direkt darauf zuzugreifen – der Erzähler kann sie „mit einem Aufpreis an die Schunden und Unwürdigen verkaufen“. Es gibt viele Seitenblicke.

Yeah, that’s my outsider look into America. It’s the things that I saw that American friends didn’t necessarily see, because they were just so used to them. I landed in New York two days ago, and driving from Newark into the city, there are huge billboards, one after the other, and it’s all for plastic surgery and lawyers. Crazy! I had a tough time, culturally, living here in New York, and in the end I left for that reason. There was no click. Probably to the great disappointment of generations of my family who tried to move here, or wanted to move here…

Ja, das ist mein Blick von außen auf Amerika. Es sind die Dinge, die ich sah, die amerikanische Freunde nicht unbedingt sahen, weil sie einfach so daran gewöhnt waren. Ich bin vor zwei Tagen in New York gelandet und als ich von Newark in die Stadt fahre, stehen dort riesige Werbetafeln, eine nach der anderen, und alles dreht sich um plastische Chirurgie und Anwälte. Verrückt! Es war kulturell eine schwierige Zeit für mich, hier in New York zu leben, und am Ende habe ich das Land aus diesem Grund verlassen. Es gab keinen Klick. Wahrscheinlich zur großen Enttäuschung der Generationen meiner Familie, die versucht haben, hierher zu ziehen oder hierher ziehen wollten …

The reality of Palestine adds a devastating political layer. There’s this part where the narrator fights with this guy she’s seeing, Trenchcoat, and he says, why don’t you go back to where you came from? And there’s nowhere to go, which is upsetting to her, and is also upsetting for the reader. Her frustrations with New York can’t lead back towards any path tied to her roots. Did that political angle feel urgent to you?

Die Realität Palästinas fügt eine verheerende politische Ebene hinzu. Es gibt diesen Teil, in dem der Erzähler mit dem Typen, den sie trifft, Trenchcoat, streitet und er sagt: „Warum gehst du nicht dorthin zurück, wo du hergekommen bist?“ Und es gibt keinen Ort, an den man gehen kann, was sie und auch den Leser verärgert. Ihre Frustration über New York kann nicht zu einem Weg führen, der an ihre Wurzeln gebunden ist. Kam Ihnen dieser politische Aspekt dringend vor?

That came in much later stages. I started to see connections, I started to understand my own work, and only then did I understand: Oh, OK, this is a person who is dispossessed. I didn’t know that at first. I don’t even know if I know that I’m a dispossessed person—I’m not sure I would even admit that.

Das kam erst viel später. Ich fing an, Zusammenhänge zu erkennen, ich fing an, meine eigene Arbeit zu verstehen, und erst dann wurde mir klar: Oh, okay, das ist eine enteignete Person. Das wusste ich zunächst nicht. Ich weiß nicht einmal, ob ich weiß, dass ich ein enteigneter Mensch bin – ich bin mir nicht sicher, ob ich das überhaupt zugeben würde.

My background and Palestine kept interfering into the book. There was a moment in the editing where I was like, “I could just remove Palestine from this entire book; it wouldn’t cut so much out.” You know, not have to pay my dues. But it was impossible. It was such a backbone of the book that it would not exist without it.

Meine Herkunft und Palästina mischten sich immer wieder in das Buch ein. Es gab einen Moment während der Bearbeitung, in dem ich dachte: „Ich könnte Palästina einfach aus diesem ganzen Buch streichen; es würde nicht so viel ausmachen.“ Wissen Sie, ich muss meine Schulden nicht bezahlen. Aber es war unmöglich. Es war so ein Rückgrat des Buches, dass es ohne es nicht existieren würde.

While

Während

Originalquelle:jezebel

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